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50 Jahre ROCA Industry: Die Eigentümer im Gespräch

Dieses Jahr feiert ROCA Industry sein 50-jähriges Bestehen – ein bedeutendes Jubiläum für das familiengeführte Unternehmen mit Sitz in Tyresö, das heute in 65 Märkten weltweit tätig ist. Die Eigentümer Hans Lindbohm und Magnus Eriksson blicken zurück und teilen ihre Gedanken zur Zukunft des Unternehmens.
 
Als wir uns treffen, zeigt sich sofort, was bei ROCA Industry vieles prägt: unkompliziert, unbürokratisch und ohne große Eitelkeiten. Während des Interviews möchte Magnus’ Zwergdackel Luigi am liebsten durchgehend am Rücken gekrault werden – doch trotz dieser charmanten Ablenkung bleibt das Gespräch fokussiert und zielgerichtet. 

Auf die Frage, was ROCA Industry besonders macht, müssen die beiden Eigentümer nicht lange überlegen:

„Vor allem die Menschen. Das Engagement, die Zusammenarbeit und der Wille, immer das Beste zu geben. Das zeigt sich auch in der Leidenschaft für unser Geschäft und im Stolz auf die Produkte, die wir entwickeln und anbieten. Gemeinsam entsteht daraus eine Unternehmenskultur, in der Erfahrung, Qualität und Zuversicht Hand in Hand gehen", sagt Magnus, der COO von ROCA Industry. 


„Angenehm, mit uns zusammenzuarbeiten ”

Dieses Engagement spiegle sich auch im Feedback der Kunden wider, erklären Hans und Magnus. Die allgemeine Wahrnehmung sei, dass ROCA „angenehm in der Zusammenarbeit“ sei, wie Magnus es formuliert. Besonders geschätzt würden der hohe Servicegrad, die Erreichbarkeit und die Zuverlässigkeit des Unternehmens: 

„Wenn wir eine Zusage machen, dann setzen wir sie auch um und halten unsere Kunden laufend auf dem Laufenden. Wir sind innovativ und haben mehrere Produktlinien direkt auf Basis von Kundenfeedback entwickelt – etwas, das unsere Kunden ganz offensichtlich zu schätzen wissen", sagt Magnus. Hans, CEO von ROCA Industry, ergänzt:

„Wir möchten langfristige Beziehungen zu unseren Kunden aufbauen und pflegen!"

Auf die Frage nach besonderen Meilensteinen oder Momenten, auf die sie besonders stolz zurückblicken, erzählt Magnus eine Anekdote aus der Zeit vor fast zehn Jahren:

„Ich saß mit einem Vertriebsmitarbeiter in einem Restaurant in Sandviken in Nordschweden, und wir kamen auf unsere Fensterbeschläge zu sprechen. Ich verstand nicht, warum sie so klein und einfach waren – echte Niedrigpreisprodukte mit einem Endpreis von ein bis zwei Swedischen Kronen. Also fragte ich den Verkäufer, ob wir gemeinsam mit unserer Technikabteilung ein neues Angebot im Bereich Fensterbeschläge entwickeln könnten. Die Antwort war „Ja“, und heute fordern wir die großen Unternehmen in dieser Nische mit Fenstergriffen, Fensterschlössern und anderen stilvollen Zubehörprodukten heraus. So stilvoll, dass sich immer mehr Architekten für uns statt für die großen Marktführer entscheiden".
 
Inzwischen hat Luigi allerdings einen Ball zum Spielen gefunden, und Magnus erzählt von einem Treffen mit dem größten asiatischen Vertriebspartner von ROCA Industry vor mehr als zehn Jahren. Damals musste er sich allein acht kritischen japanischen Geschäftsleuten stellen, die ihn regelrecht ins Kreuzverhör nahmen:

„Der Grund war, dass sie mehrere Jahre nichts mehr von ROCA gehört oder gesehen hatten. Deshalb hatten sie Angst, dass wir vom Markt verschwinden würden. Aber es gelang mir, das Vertrauen wiederherzustellen – und heute verbindet uns eine solide und langjährige Zusammenarbeit".
 

Schwierige Zeiten zu Beginn der 2010er-Jahre

Wie Magnus andeutet, hat ROCA Industry auch schwierige Zeiten erlebt – insbesondere zu Beginn ihres Engagements im Unternehmen, zunächst als externe Berater und später als Eigentümer. Die Zeit der Übernahme Anfang der 2010er-Jahre sei „wirklich besonders“ gewesen, sagt Magnus nachdenklich:

„Damals, 2011–2012, steckte das Unternehmen fest. Die Stimmung war schlecht, die interne Kommunikation funktionierte nicht, und das Geld war praktisch aufgebraucht. Die Finanzabteilung konnte uns nicht einmal sagen, ob wir liquide waren. Also mussten wir selbst die Kontostände prüfen und zusätzlich eigenes Kapital einbringen, um das Überleben des Unternehmens zu sichern".

Auch eine Umstrukturierung und Verschlankung des Unternehmens sei notwendig gewesen:

„Wir mussten gründlich aufräumen – leider war das notwendig. Das heutige ROCA hat nur noch wenig mit dem Unternehmen von damals gemeinsam. Die flexiblen und veränderungsbereiten Mitarbeiter aus jener Zeit sind auch heute noch bei uns. Die anderen haben das Unternehmen verlassen – entweder freiwillig oder auf unsere Empfehlung hin". 


Gestärkt durch wirtschaftlich unsichere Zeiten

Zum Zeitpunkt dieses Interviews steht die Weltwirtschaft unter großem Druck. Militärische Konflikte und bewaffnete Auseinandersetzungen in verschiedenen Teilen der Welt, die Gefahr eines Zollkonflikts zwischen den USA und dem Rest der Welt sowie weitere Unsicherheitsfaktoren erschweren langfristige Planungen. Dennoch blicken Hans und Magnus mit Zuversicht in die Zukunft – vor allem dank der hohen Innovationskraft von ROCA Industry und der Kompetenz der Mitarbeitenden:

„Wir vertrauen auf die Fähigkeit jedes einzelnen Mitarbeiters, Entscheidungen zu treffen. Unsere wirtschaftliche Situation ist ausgezeichnet, deshalb investieren wir weiter, während andere defensiver werden", sagt Magnus.
 
Laut Hans verfolgt ROCA Industry das Ziel, langfristig zu denken und zu handeln, langsam aber stetig zu wachsen sowie langfristige Beziehungen zu Kunden, Lieferanten und Mitarbeitenden weiter auszubauen und zu pflegen.
 
„Dann wird ROCA Industry auch in Zukunft Jubiläen wie dieses feiern können", schließt Hans – und fast wie auf Kommando bestätigt Luigi dies mit einem entschlossenen Bellen genau in dem Moment, als wir das Interview beenden.

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